Geher-DM in Frankfurt - nationale Elite auf der Jagd nach den Normen für Olympia - auf dem flachen Rundkurs werden auch die Tickets für die Team-EM im tschechischen Podebrady vergeben
  08.04.2021 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Frankfurt ist an diesem Samstag (10. April) Austragungsort der ersten nationalen Titelkämpfe des Jahres im Freien. Der Hessische Leichtathletik-Verband (HLV) kann als örtlicher Ausrichter 22 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßen, die (abhängig von der Altersklasse) auch die Nomen für Olympia in Tokio angreifen werden. Hierfür wurden alle nötigen Vorkehrungen seitens des Ausrichters getroffen, damit alle Ergebnisse im Zweifelsfall auch als Qualifikationsleistung anerkannt werden. Zur Austragung kommen die Distanzen 50 Kilometer (Männer), 20 Kilometer (Männer, Frauen, MU23, WU23), 10 Kilometer (MU20, WU20, MU18) sowie 5 Kilometer (WU18).

Top-Favorit über 20 Kilometer ist Christopher Linke (SC Potsdam/PB: 1:18:42 std.), der bei der WM in Doha Vierter wurde und Olympia in Rio als Fünfter beendete. Mit seiner Bestzeit von 1:18:42 Stunden hält Linke gemeinsam mit Andreas Erm auch den Deutschen Rekord. Beim Kampf um DM-Silber und Bronze dürfte es einen Zweikampf zwischen Nils Brembach (PB: 1:20:42 std.) und Hagen Pohle (PB: 1:19:58 std./beide SC Potsdam) geben. Die beiden „Verfolger“ können ebenfalls diverse internationale Einsätze vorweisen (Brembach: Platz 5 bei der EM 2018, Pohle: Platz 8 bei der EM 2018) und trainieren wie Linke bei Bundestrainer Ronald Weigel. Im Auge behalten sollte man auch Leo Köpp (20km/erst Jg. 1998), der sich im letzten Jahr auf 1:22:20 Stunden verbessern konnte und sich damit bis auf 80 Sekunden der Olympia-Norm näherte. Eventuell gelingt dem Youngster in der Mainmetropole eine weitere Steigerung und ein Knacken des Richtwertes für Tokio.

Über 50 Kilometer wird Carl Dohmann (SCL Heel Baden-Baden) vorne erwartet. Der WM-Siebte von Doha reist mit einer Bestzeit von 3:45:21 Stunden nach Frankfurt an. Ärgster Konkurrent auf der Langdistanz dürfte Karl Junghannß (LC Top Team Thüringen) sein, der ebenfalls bereits WM-Erfahrung hat und eine Zeit von 3:47:01 Stunden vorweisen kann. Für den Thüringer ist Frankfurt kein unbekanntes Pflaster. In seiner „Freizeit“ tritt er auch immer mal wieder als guter Läufer in Erscheinung. So lieferte Junghannß beim Frankfurt Marathon vor zwei Jahren hervorragende 2:17:54 Stunden über die klassischen 42,195 Kilometer ab und belegte damit in der Endabrechnung den 27. Platz. Auch seine Halbmarathon-Bestzeit von 63:52 Minuten kann sich allemal sehen lassen.

Bei den Frauen hat Saskia Feige (SC Potsdam) die Norm für Tokio (20 km) bereits abgehakt und unterzieht sich in Frankfurt einem Formtest. Als einzige hessische Athletin geht am Samstag Tabea Kiefer an den Start. Für die Athletin im Trikot der Eintracht Frankfurt ist es gleichzeitig eine DM-Premiere. Die jüngste Athletin im Feld (Jahrgang 2005) trifft über die 5 Kilometer bei den Mädels der U18 auf drei weitere Gegnerinnen.

Der Start für alle Klassen erfolgt bereits um 9:30 Uhr. Gegangen wird auf einem flachen und durchgehend asphaltierten zwei Kilometer langen Rundkurs auf dem Frankfurter Messegelände. Zuschauer sind wegen der Corona-Pandemie bei den Titelkämpfen leider nicht zugelassen. „Der Hessische Leichtathletik-Verband hat gerne die Austragung der Deutschen Meisterschaften im Gehen übernommen und freut sich auf die Durchführung auf dem Frankfurter Messegelände. Mit der Agentur motion events von Jo Schindler haben wir einen starken Partner bei der Ausrichtung an unserer Seite. Wir haben alles dafür getan, dass die Athleten beste Bedingungen für die Meisterschaften vorfinden. Für die Teilnehmer in der Aktivenklasse geht es um die Olympia Qualifikation, dafür drücken wir den Athlet*innen die Daumen“, so HLV-Präsident Klaus Schuder.

Ein Blick ins Archiv zeigt, dass der Gehsport in Frankfurt eine gewisse Tradition hat. So war Baunatal 1990 Austragungsort der DM über 50 Kilometer, sieben Jahre später wurden in Frankfurt die Titel über 20 Kilometer vergeben. Zwischen 1960 und 1980 prägten Namen wie Hans Michalski und Bernhard Nermerich (beide Eintracht Frankfurt) das Geschehen bei den Gehern.

Michalski sicherte sich in den 70er Jahren vier Einzel-Medaillen sowie zwei Team-Titel bei deutschen Meisterschaften und startete bei 22 Länderkämpfen im Nationaltrikot. Ein möglicher Start bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau wurde ihm durch den Boykott von Deutschland verwehrt.

Michalskis Vereinskollege Bernhard Nermerich brachte es in seiner Laufbahn auf 21 DM-Titel (Einzel & Mannschaft). International steht ein sechster Platz bei der EM im finnischen Helsinki (4:11:44 std.) zu Buche. Fast hätte es bei Olympia in Mexiko-Stadt zu Edelmetall gereicht. Bis zur 40 Kilometer-Marke lag Nermerich auf dem zweiten Platz und hatte einen soliden Vorsprung auf Antal Kiss (HUN), ehe er nach 43 Kilometern jedoch disqualifiziert wurde und somit alle Medaillenträume begraben musste. Vier Jahre später musste der Eintrachtler vor Olympia in München wegen einer Verletzung seine Karriere beenden.