Melat Yisak Kejeta (Laufteam Kassel) mit starkem Saisoneinstieg beim Weltrekord-Rennen in Istanbul - ein neunter Platz in 1:07:33 Stunden für die Nordhessin - bei der 5-km-Durchgangszeit blieb Kejeta mit 15:08 Minuten unter dem Rekord von Irina Mikitenko
  10.04.2021 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Gleich im ersten großen internationalen Straßenrennen der noch jungen Saison gab es einen neuen Weltrekord. Ruth Chepngetich sorgte in Istanbul auf der Halbmarathon-Distanz für das herausragende Resultat. Die amtierende Marathon-Weltmeisterin aus Kenia kann es auch „halb so lang“. Mit beeindruckenden 1:04:02 Stunden pulverisierte Chepngetich die alte Marke von Ababel Yeshaneh (ETH) um gleich satte 29 Sekunden. Für die neue Rekordhalterin scheint die Stadt am Bosporus ein gutes Pflaster zu sein, gewann sie das Rennen hier auch schon in den Jahren 2017 und 2019. In ihrem Schlepptau der Kenianerin blieben auch noch Yalemzerf Yehualaw (ETH/1:04:40 std.) sowie Hellen Obiri (KEN/1:04:51 std.) unter der Schallmauer von 65 Minuten.

Mit von der Partie bei dem Rekordrennen in Istanbul war auch eine „Hessin“. Melat Yisak Kejeta (Laufteam Kassel), die Vize-Weltmeisterin von Gdynia (2020), wurde in einem hochklassigen Feld als Neunte mit 1:07:33 Stunden gestoppt. Bei ihrem WM-Coup in Polen hatte Kejeta letzten Oktober mit 1:05:18 Stunden einen neuen deutschen Rekord und Europa-Rekord (für reine Frauenrennen) aufgestellt. Für die 28-Jährige Langstrecklerin, die direkt aus einem Höhen-Trainingslager (in Äthiopien) nach Istanbul anreiste, bedeuteten die 1:07:33 Stunden die zweitschnellste Zeit ihrer Karriere und gleichzeitig zweitbeste Zeit einer deutschen Athletin. Damit rangiert Kejeta in der aktuellen Weltjahresbestenliste (2021) auf dem zehnten Platz und ist im europäischen Ranking Zweite. Lediglich Lonah Salpeter (ISR) war in diesem Jahr mit 1:07:09 Stunden etwas schneller unterwegs.

Wegen des sehr überschaubaren Elitefeldes mit lediglich knapp 20 Starterinnen, war Kejeta quasi gezwungen das sehr schnelle (Anfangs)Tempo mitzugehen, um bei recht kühlen Temperaturen nicht alleine unterwegs zu sein. Die extrem flotte Fahrt bestätigte sich dann auch bei der ersten Zwischenzeit. Die 5-Kilometer-Marke passierte der Schützling von Coach Winfried Aufenanger in 15:08 Minuten. Damit blieb sie unter der deutschen Rekordmarke von 15:16 Minuten, den vor 21 Jahren Irina Mikitenko aufgestellt hatte. Danach musste Kejeta dem schnellen Tempo etwas Tribut zollen. Trotzdem konnten sich ihre 31:13 Minuten nach zehn Kilometern allemal sehen lassen, bedeuteten sie doch deutsche Jahresbestzeit. Das Resultat von Istanbul sollte gegenüber dem DLV als Leistungsnachweis ausreichen, um den Olympiastart in Tokio in der Tasche zu haben.

Im Rennen der Männer gab es durch Kandie Kibiwott (59:35 min.), Geoffrey Kamworor (59:37 min.) sowie Roncer Kipkorir (59:45 min.) einen dreifachen Kenia-Triumph. Einziger deutscher Läufer im Elitefeld war Amanal Petros (TV Wattenscheid), der den anvisierten deutschen Rekord (Carsten Eich 60:34 min. im Jahr 1993) als Zwölfter mit 63:58 Minuten jedoch ganz deutlich verfehlte.

Im offenen Lauf ließen die Organisatoren in Istanbul unter Beachtung eines entsprechenden Hygiene-Konzeptes 4000 „Volksläufer“ auf die Strecke. Es bleibt zu hoffen, dass im Nachgang der Veranstaltung in Zeiten der Corona-Pandemie daraus keine negativen Folgen für die Teilnehmer entstehen.