Teil 5: Die besten hessischen Leichtathletik-Initiativen im Corona-Jahr 2020
  13.04.2021 •     HLV , Breitensport


Wir bewegen Hessen – GEMEINSAM

Im Rahmen der HLV-Reporte beschäftigen wir uns in der Zeit der Corona-Pandemie speziell mit dem Breitensport. In dieser neuen Reihe stellen wir wöchentlich eine hessische Leichtathletik-Initiative vor.

 

Seit über einem Jahr stellt die Corona-Pandemie die Welt auf den Kopf. Betroffen von den Einschränkungen sind alle Lebensbereiche, so auch der Sport, so auch die Leichtathletik in Hessen. Im Dezember vergangenen Jahres startete der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) eine Kampagne und suchte bundesweit „die beste Leichtathletik-Initiative im Corona-Jahr 2020“. Mit dieser Aktion wollte der DLV diejenigen in den Mittelpunkt rücken, die mit besonderem Engagement dafür gesorgt haben, dass die Leichtathletik weiter stattfinden konnte. Auch wenn wir uns Mitte April 2021 immer noch in einem Zustand geprägt von vielen Einschränkungen befinden, so hoffen wir, dass sich die allgemeine Situation schnell und nachhaltig verbessert und Leichtathletik, so wie wir sie kennen, bald wieder möglich sein wird.

Ihre Bewerbung hatten auch zahlreiche hessische Vereine eingereicht. Mit großem Einsatz und Kreativität hatten sich die Verantwortlichen Ideen ausgedacht, wie sie auf verantwortungsvolle Weise attraktive Bewegungsangebote auch unter erschwerten Bedingungen anbieten konnten. Es ist fantastisch zu sehen, welches Engagement von einzelnen Personen, Gruppen und Vereinen geleistet wird – und das von der kleinen bis zur großen Bühne.

Der HLV möchte über diese bemerkenswerten Initiativen berichten und in einer wöchentlichen Serie vorstellen. Sicherlich gab es noch viele weitere Initiativen hessischer Leichtathletikvereine. Das macht uns als Verband stolz und wir ermuntern dazu, auch zukünftig, sobald es wieder möglich ist, solche verantwortungsvollen Projekte anzubieten.

Im fünften Teil der Serie stellen wir zwei Aktionen der SG DJK Hattersheim vor: Das Kinderleichtathletik-Abzeichen „Flotter Hüpfer“ und „Die Hüpfer-Wette – Corona-Challenge für zuhause“.

Die Verantwortlichen der Leichtathletikabteilung der DJK Hattersheim standen im März 2020 vor einem Problem, und das hieß „Lockdown“. Das bedeutete für die Kinder der U6 (Jahrgänge 2014 bis 2016) eine trainings- und wettkampflose Zeit über mehrere Wochen und Monate. Eine Abwanderungswelle vieler junger Mitglieder aus der Abteilung wurde befürchtet. „Das wollten wir unbedingt verhindern“, sagt Christoph Maier, ehrenamtlicher U6-Trainer, Ideengeber und Projektkoordinator. Die Nachwuchsarbeit der DJK hatte gerade richtig Fahrt aufgenommen und ein „Weiter so“ ohne ein spezielles Angebot hätte diese erfreuliche Entwicklung gefährdet. „Wir mussten in den Wochen des Lockdowns etwas unternehmen, um den Wegfall der wöchentlichen Bindung der Kinder an die Trainer sowie den Bewegungs- und Spaßentzug schnell zu kompensieren. Die Kinder sollten sich nach der Zwangspause wieder richtig darauf freuen ins Training zu kommen.“ Und so entwickelte Christoph Maier, zusammen mit seinen Trainerkollegen*innen, die Idee der „Flotten Hüpfer“, eine Art Seepferdchen für die Leichtathletik.

Die Kinder mussten im Laufe des wieder aufgenommenen Trainings sechs Prüfungen ablegen: "Fair Play" (Sprint mit anschließender Gratulation an den Sieger), Hürdenlauf (Hochstart, dann über drei Kinder-Hürden im 3er-Rhythmus), Weitsprung (einbeinig abspringen, beidbeinig landen), Weitwurf (Tennisball), Dauerlauf (eine Runde im Stadion, 400m) und die Teilnahme am Abschlusswettkampf (Dreikampf an einem separaten nachgelagerten Wettkampftag). Also ging es nach der Wiederaufnahme des Trainings im Mai richtig zur Sache. Die Kinder motivierte das Format und vor jeder Einheit skandierte die Gruppe: „Liebe Kinder haltet euch fest, wir machen jetzt den Hüpfer-Test“. Um den Nachwuchs gleichzeitig auf die Kinderleichtathletik der U8 und U10 vorzubereiten, gab es für jede Übung klare und altersgerechte Anforderungen.

Den letzten Teil der Reihe stellte der Abschlusswettkampf dar. Dieser fand, für diese Zeit ganz klassisch, in der Late Season am 14. September bei strahlendem Sonnenschein auf dem Sportgelände des Vereins statt. Im Vorfeld wurde in vertrauensvoller und konstruktiver Zusammenarbeit mit der Stadt Hattersheim gemeinsam ein Hygienekonzept entwickelt. Die Resonanz auf den geplanten Wettkampf war groß. Im Vorfeld wurden, neben den Kindern, auch Geschwister, Eltern und Großeltern eingeladen. „Aber irgendwann zeigte meine Excelliste mehr als 300 Personen“, erinnert sich Maier. „Und als dann nach der finalen Version des Hygienekonzepts feststand, dass lediglich maximal 150 Personen für die Veranstaltung zugelassen werden, musste ich leider einigen Leuten aus dem Umfeld der Kinder wieder absagen.“ Letztlich gingen insgesamt 82 Kinder an den Start (28 aus der U6, 34 aus der U8 und 20 aus der U10). Alle Absolventen bekamen eine Urkunde und ein fluoreszierendes Armband mit der Aufschrift „Flotter Hüpfe – SG DJK Hattersheim". „Alle Kinder trugen dann ganz stolz ihre Armbänder, erzählten davon zu Hause und im Kindergarten und machten damit richtig Werbung für unseren Verein und die Sportart Leichtathletik“, berichtet Maier.

Insgesamt wurden 28 Abzeichen an die Jahrgänge 2014 und 2015 verteilt. „Wir haben sehr positive Rückmeldungen auf die Aktion erhalten. Direkt am nächsten Tag nach dem Abschlusswettkampf waren fünf neue Kinder zum Schnuppertraining da. Unsere Gruppen waren schnell voll und wir mussten sogar mit einer Warteliste arbeiten.“ Das Abzeichen soll über die Corona-Zeit hinaus weiter angeboten werden. Die Verantwortlichen der DJK werden weiter versuchen, eine breite Basis an jungen Leichtathleten*innen aufzubauen, um diese durch alle Altersklassen bis in den Jugendbereich bringen zu können. Trainer Maier lobt in diesem Zusammenhang die sehr guten Rahmenbedingungen in seinem Verein: „Die Vereinsstrukturen sind dem Erfolg der Jugendarbeit absolut förderlich. Wir haben ein engagiertes qualifiziertes Trainerteam, die Abteilungsleitung führt sehr gut und der Vorstand des Gesamtvereins steht zu 100 Prozent hinter uns.“

Im November 2020 musste der Trainingsbetrieb für alle Kinder von der U6 bis zur U10 erneut eingestellt werden. Christoph Maier: „Im Lockdown bleiben die Kinder gezwungenermaßen viel zu Hause, bewegen sich wenig, bekommen zu wenig frische Luft und hängen viel an iPad, Computer und Co. Um die Kinder zur Bewegung zu animieren, haben wir uns die Hüpfer-Wette einfallen lassen.“ Den Verantwortlichen war es wichtig, in den Köpfen der Kinder als „Leichtathletik-Training" wöchentlich präsent zu sein und insbesondere für die älteren Kinder einen kontinuierlichen Trainingszustand sicherzustellen.

Die Vier- bis Zehnjährigen erhielten eine wöchentliche Aufgabe, eine sogenannte „Challenge“. Diese Aufgaben wurden altersgerecht differenziert und in den jeweiligen Trainingsgruppen zu Beginn der Woche mit Hilfe eines Videos oder einer Bilderreihe vorgestellt. Alle Aufgaben sollten die Kinder gemeinsam mit ihren Eltern erledigen. Somit lernten Eltern und Kinder eine Vielzahl an Übungen kennen, die sie zukünftig auch in der Freizeit umsetzen können. „Ein weiteres Ziel war es, die Harmonie im familiären Beisammensein zu fördern und die Eltern-Kind-Bindung durch gemeinsame sportliche Erlebnisse zu stärken“, so Maier.

In der U6 wurden die Kinder wöchentlich in 4er-Teams eingeteilt und sammelten Punkte für ihr Team. Die Gruppe mit den meisten Punkten wurde dann am Ende „Hüpfer der Woche“. Aufgaben lauteten zum Beispiel „Wirf über den Papa – wie viele Wiederholungen schaffst du innerhalb von zwei Minuten?", „Wie lange kannst du auf einem Bein stehen?“ oder „Werfe mit einem Tennisball zwei Minuten lang aus drei Metern Entfernung auf einen Papierkorb. Wie viele Treffer schaffst du?“ In den anderen Altersklassen entsprach die Anzahl der Aufgaben den Trainingseinheiten pro Woche, um den Trainingsrhythmus zu simulieren. Es gab unter anderem Herausforderungen aus den Bereichen Joggen, Radfahren und Spazierengehen.

„Die Jungs und Mädchen waren sofort Feuer und Flamme für diese Spiele. Zu Beginn hatten wir in der U6 acht Teams mit jeweils vier Kindern. In der ersten Woche Mitte November wurden insgesamt 35 Leistungen eingereicht.“ Die Aktion lief bis Weihnachten, dann hatten die Kinder genug „gechallenged“.

Im Jahr 2021 war der Trainingsbetrieb bis Mitte März weiterhin ausgesetzt. Maier: „Sobald es wieder möglich war, sind wir aktiv geworden. Leider können wir nicht mehr mit der gesamten Gruppe trainieren, aber das ist gerade zweitrangig. Wichtig ist, dass es weitergeht und so viele Kinder dabei sind.“

Quellen: SG DJK Hattersheim

 

Alle HLV-Reporte können unter der Rubrik „Vereinsservice in Coronazeit“ auf der HLV-Homepage eingesehen werden.

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